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Entwürfe des Idsteiner Stadtentwicklungs- und Verkehrsentwicklungsplanes: Was hat Wörsdorf davon?

Wie Idstein in 15 Jahren aussehen soll und wo es bei der Infrastrukturausstattung, den Wohn -und Gewerbeflächen stehen wird, wurde in den letzten Jahren mit viel Engagement öffentlich in mehreren Vorstellungsrunden in der Stadthalle mit den Bürgern diskutiert. jetzt werden die Stadtverordneten wohl noch in diesem Jahr entscheiden müssen. Was soll in Wörsdorf als größten Stadtteil mit rund 2800 Einwohnern, rund 120 Betrieben und geschätzt 300 Arbeitsplätzen geschehen?  

Wörsdorf wird im Entwurf des Stadtentwicklungskonzepts eine Rolle zugewiesen, die eine langfristige Sicherung der notwendigen Infrastruktur bedeuten kann und auch muss. Durch eine moderate, aber spürbare  Steigerung der Wohnflächen, sowohl durch Innenentwicklung als auch durch zusätzliche Flächen,  können die heutigen Angebote an Dienstleistungsinfrastruktur gehalten und entwickelt werden. Die Vorschläge dazu bspw. für zusätzliches Wohnen an der Henriettenthaler Str. oder im Hostert scheinen dafür geeignet. Die heutige Friedhofserweiterungsfläche Bornwiese wird wohl nicht mehr benötigt sollte zu Wohngebiet umgewidmet werden, sagen die Einen. Wohnen dürfte dort schwierig umzusetzen sein. Besser wäre bspw. die Anlage eines kleinen Parks als Treffpunkt für Jung und Alt, was in Wörsdorf fehlt, wäre nicht schlecht, vielleicht auch eine Nutzung als Kleingartengelände zur Pacht.  Gestützt werde die Sicherung der vorhandenen Dienstleistungsinfrastruktur durch ebenso moderate zusätzliche Gewerbeflächen ohne mögliche Grenznutzungskonflikte, die wohnortnahe Arbeitsplätze versprechen und deshalb zur weiteren Verbesserung der Wohnqualität beitragen. Der angedachte Gewerbehof „Regionalbahn“ gegenüber des heutigen Henriettenthaler Hofes wäre dafür dann gut geeignet, Vorrausetzung wäre die Gewährleistung der notwendigen Verkehrserschließung, was sicher nicht einfach ist. Der Wörsdorfer Tunnel müsste dafür ausgebaut werden.

Hinsichtlich des Verkehrsteils bleibt jedoch als großer  Kritikpunkt  festzuhalten, dass für das zentrale Problem Wörsdorfs, nämlich die sehr hohe Belastung durch Durchgangsverkehr (rd. 14.000 KFZ/Tag), keine  nachhaltigen Lösungsstrategien angeboten werden. Da eine “klassische Ortsumgehung” kaum durchsetzbar und realisierbar erscheint, müsste es darum gehen, den Durchgangsverkehr so weit wie möglich zu reduzieren. Zur Entlastung könnte zudem eine Ausweitung von Tempo 30 beitragen. Ob z.B. gegenläufige Einbahnstraßen wie in der Bürgerdiskussion in Wörsdorf angeklungen, sinnvoll sind, erscheint dagegen fraglich. Hierdurch würden die Belastungen nur anders verteilt voraussichtlich zu Lasten der Wohnstraßen. Notwendig sei, dass angesichts des zweifelhaft gewordenen Ausbaus des Wörsdorfer Tunnels hierfür eine Vorgabe in den Plan aufgenommen werde. Die direkte Anbindung des P&R Platzes an die  K 691 (Wallbacher Str.) wäre sinnvoll und würde zu einer Entlastung der Wohnstraßen zwischen Bahnhof und Reichenberger Str. entlasten. Dadurch könnte auch Platz geschaffen werden für eine Busanbindung, die heute alleine räumlich nicht möglich wäre.

Ausdrücklich bemängelt wird das Fehlen einer ausreichenden und klaren Aussage zur Bedeutung der Landwirtschaft in Idstein, die in Wörsdorf eine große Rolle spielt und auch in Zukunft spielen soll. Sie sichere  attraktive Kulturlandschaften mit hohen Naherholungswerten und erbringe eine Vielzahl von Gemeinwohlleistungen im Boden-, Biotop-, Wasser- und Klimaschutz. Die Grundlagen dafür sind auch in einem Stadtentwicklungskonzept abzusichern. Das scheint aktuell nicht ausreichend der Fall. Vor allem müsse eine umfassende Schonung landwirtschaftlich genutzter Flächen stärker verankert werden. Der Schutz und die Bewahrung der Ackerflächen als Grundlage unserer Ernährung sei im Hinblick auf die Nutzungskonkurrenz ein besonderer Stellenwert zuzumessen.

Müsste ich den Entwürfen eine Schulnote geben, würde ich daher ein sehr gutes befriedigend verteilen.

Wörsdorfpitt 12. Juli 2022

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